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"Eigentlich total Panne die Aktion, aber auch schon wieder irgendwie genial."

Das war einer der vielen Kommentare, nachdem der Verein am 6. April 2019 einen ungewöhnlichen Deal zwischen dem Spieler Kevin Pannewitz und dem FC Carl Zeiss Jena veröffentlichte. Das Briefing dazu war simpel: Lasst uns einen Fanartikel auflegen, bei dem ein Teil der Einnahmen dem Spieler und seiner Familie zugute kommt. Die echte Herausforderung dabei: Dem Spieler wurde im Januar außerordentlich gekündigt, es folgte eine Klage des Spielers vor dem Arbeitsgericht gegen seinen Ex-Verein.

Die Aufgabe konnte also kniffliger nicht sein: Gesucht wurde ein Shirt-Motiv, dass populär genug ist, um sich gut zu verkaufen. Denn nur wenn sich die Fans mit der Botschaft identifizieren können, kommen auch die gewünschten Einnahmen für Kevin Pannewitz. Das Motiv sollte zugleich dem nach Hause geschickten Spieler huldigen und ihn nicht diffamieren. Kevin sollte zum Shirt und dessen Botschaft stehen. Weiterhin galt es, den Verein trotz der Kündigung des beliebten Spielers glaubhaft zu repräsentieren – schließlich wird es in dessen Fanshop angeboten. Und letztendlich sollte mit dem Shirt der juristische Streit vor Gericht beigelegt werden können.

Die Vertreibung aus dem Paradies – Versüsst durch ein Shirt im unschuldigen Weiss

Die Lösung war ein einfacher Satz – eine Botschaft, mit der sich nicht nur der Spieler, sondern auch die Fans und der Verein identifizieren konnten: „Im Paradies gibt es nicht nur Heilige.“ Der bekannt gewordene Grund der Trennung – zu viele Pfunde auf der Waage und eine vorangegangene Suspendierung wegen Trunkenheit beim Mannschaftstraining – mag zwar unprofessionell sein, bleibt aber zutiefst menschlich. Ob Fussballprofi, Verein oder Fan, für alle gilt: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Mit dem augenzwinkernden Motto und einer persönlichen Widmung auf der Rückseite – „Das exklusive Kevin-Pannewitz-Shirt. Mach‘s gut Digga.“ – konnten Spieler und Verein ihren Frieden machen. Und sie konnten der beispiellosen Karriere von Pannewitz einen für alle „Schuldigen“ würdigen Abschied beim FCC schenken.

VIEL MEHR ALS NUR EIN TALENT MIT SCHWERGEWICHT: DIE KARRIERE VON KEVIN PANNEWITZ

Mit Kevin Pannewitz verliert der FC Carl Zeiss Jena einen echten Typen mit einer beispiellosen Karriere. Der in Berlin geborene Mittelfeldspieler durchlief die Jugendabteilungen der Vereine Normannia, Frohnau, Nordberliner SC und Tennis Borussia, bevor er 2008 in die A-Jugend von Hansa Rostock wechselte. Im November 2009 wurde er für das Zweitligaspiel gegen den FC St. Pauli in die Startelf berufen. Pannewitz wurde zu Lehrgängen der deutschen U-19-Nationalmannschaft eingeladen und auch vom Bundesligisten Werder Bremen umworben. Er etablierte sich im Rostocker Profiteam und half in der A-Jugend aus, mit der er deutscher A-Jugendmeister 2009/10 wurde. Im Mai 2012 absolvierte Pannewitz ein Probetraining beim Erstligisten VfL Wolfsburg, damals unter der Leitung von Felix Magath, und unterschrieb dort einen Zweijahresvertrag. Nach der Saison 2012/13 wurde sein Vertrag jedoch einvernehmlich aufgelöst. Ein Wechsel in die USA platzt. Danach dümpelt Pannewitz durch die Amateurclubs Goslar, Altglienicke, Oranienburg und spielt in der Brandenburgliga. Pannewitz wiegt 125 Kilo, schleppt Waschmaschinen und Kühlschränke für einen Logistiker. Mitte August 2017 unterschreibt Pannewitz einen Zweijahresvertrag beim FC Carl Zeiss Jena. Über Timmy Thiele, seinen Schwager und Jenas Stürmer, hatte er ein Probetraining vermittelt bekommen. Er trainiert fast zwei Monate mit und nimmt 38 Kilo ab. Nach guten Trainingsleistungen einigen sich Verein und Spieler über einen leistungsbezogenen Vertrag. Die Bild-Zeitung schreibt: „Erst Zweitliga-Star, dann Hausmeister, jetzt neuer Profi-Vertrag – Das unglaubliche Speck-weg-Comeback von Kevin Pannewitz“ und titelt „Die größte Auferstehung seit Jesus“. Er absolviert 25 Spiele für den FCC in der 3. Liga, schießt ein Tor und kickt sich in die Herzen der Fans. Nach dem Weihnachtsurlaub bringt er fast 100 Kilo auf die Waage. Am 9. Januar 2019 folgt die außerordentliche Kündigung des Vertrages.

Links zur Karriere von Kevin Pannewitz: 

https://www.zeit.de/sport/2015...

https://www.ndr.de/fernsehen/s...

Die Verkündung zum Heimspiel im April

Nach Freigabe durch Verein und Kevin Pannewitz sowie der angelaufenen Produktion, wurde am 6. April zum Heimspiel des FCC gegen den FC Energie Cottbus das Kevin-Pannewitz-Shirt veröffentlicht – nur über den Facebook-Kanal des Vereins, angeführt vom Ex-Spieler selbst: 

Kevin Pannewitz „Das ist doch das Ding ....geile ... Das T-Shirt ist ne geile Aktion, ich hoffe das Shirt kommt gut an also in dem Sinne 3 Punkte gegen Cottbus.“

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten – sie reichten von „Geile Aktion“ über „Is das n Aprilscherz??“, bis „Find ich klasse er hätte uns auf jedenfall helfen können!! Mega Typ,#Maschine“ oder schlicht „Mega“ bis „Dachte erst das wurde am 1.4. reingestellt, aber meinen die das echt ernst? :)“. Gerade die Kontroverse um die Aktion schaffte schnell eine breite Öffentlichkeit. 

Schon am gleichen Tag zogen andere Medien wie die Zeitungsgruppe Thüringen nach – BILD, Sportbuzzer, Liga-3-Online und der MDR / Sport im Osten folgten. Auch hier wurde zum Teil kontrovers diskutiert: Kommentator UNFASSBAR schreibt: „Eigentlich total Panne die Aktion, aber auch schon wieder irgendwie genial. Ich mag solche Typen wie Kevin Pannewitz. Leider hat er sein Talent verschenkt. … Trotzdem alles Gute Digga!“ ALI kommentiert „…Der Verein hätte das Motto des Shirt‘s sich mal zu Herzen nehmen sollen! Der Kruse von Werder sah beim ersten Training dieses Jahr auch nicht viel besser aus.... Ich unterstütze Panne und kaufe es mir. Nobody ist perfekt, alles Gute Panne...“. 

Bei Sport im Osten kommt auch Kevin Pannewitz zu Wort: „Das ist ja ein ironisches T-Shirt und ich bin ein Typ, der damit gut umgehen kann. Deshalb habe ich auch zugestimmt. Das ist eine gute Sache und beide haben was davon“. Die T-Shirt Aktion lief über alle Erwartungen gut an. Allein während des Spieles gegen den FC Energie Cottbus gingen am 6. April mehr als 100 Shirts für je 19,03 Euro über den Ladentisch. Und: Die Aktion wurde mit einem Eintrag bei Wikipedia gewürdigt. 

Viertakt durfte für die Saison 2018/19 mehr als ein Shirt für den Fanshop des FC Carl Zeiss Jena kreieren. Hier ein kurzer Arbeitsnachweis.

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